Roadtrip zum Großglockner 2012

Übernachten auf über 2.500 Metern Meereshöhe?
Leckeres Essen und ein paar kühle Getränke dazu genießen?
Ein Sternenhimmel weitab von jeder künstlichen Lichtquelle?
Ein Sonnenaufgang in unbeschreiblicher, hochalpiner Umgebung?

Und das bequem mit dem Auto über eine der schönsten Passstraßen Europas erreichbar?

Geht!

Unser Ziel im September 2012: Die Edelweissspitze an der Großglockner-Hochalpenstraße!

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Nachdem wir bereits im Jahr 2010 einen Wochenendtrip zur Großglockner-Hochalpenstraße unternommen hatten, zog es uns 2012 wieder in diese grandiose Landschaft. Zusammen mit sehr guten Freunden starteten wir an einem Samstag im September bei allerbester Wettervorhersage. Bei unserem letzten Trip 2010 waren wir an dem gleichen Wochenende unterwegs und wurden auf der Hochalpenstraße von Schneefall begrüßt – die Vorhersage dieses Mal sah gaaaanz anders aus 🙂

Vormittags ging es bei uns in Regensburg los und wir bummelten mit zwei Cabrios über die Landstraßen in Richtung Österreich. Schönes, gemütliches Cruisen mit viel Gelegenheit, die schöne Landschaft bei wolkenlosem Himmel zu genießen.

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Mittags haben wir dann bei Siegsdorf im Gasthof Hammerwirt eine Pause eingelegt und im wunderschönen Garten ein tolles Mittagessen genoßen.

Und danach ging es dann über die Grenze nach Österreich und über Lofer, Saalfelden und Zell am See bis zur Mautstelle in Ferleiten und damit zum Beginn der Grossglockner-Hochalpenstraße.

(Infos zur Maut und alles Wissenswerte zur Hochalpenstraße findet ihr auf der Seite der Grossglockner Hochalpenstraße)

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Die Großglockner-Hochalpenstraße ist eine hochalpine Gebirgsstraße zwischen den österreichischen Bundesländern Salzburg und Kärnten und stellt die höchste, befestigte Passstraße Österreichs dar. Wenn man der Straße von Bruck im Salzburger Land bis nach Heiligenblut in Kärnten folgt, ist man gute 47 Kilometer im hochalpinen Gelände unterwegs und kann spektakuläre Ausblicke von den zahlreichen Rastplätzen aus genießen. Die Straße zweigt zum einen ab zur Edelweissspitze (2.571 Meter) und zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 Meter) mit ihrem tollen Blick auf den Pasterzengletscher und den Großglockner. Beide Punkte sind tagsüber absolute Touristenmagnete und somit bei gutem Wetter extrem stark frequentiert. Somit ist auch auf der Straße selbst mit relativ viel Verkehr zu rechnen – und nicht jedem Fahrer liegen die alpinen Verhältnisse, was sich dann meist in sehr zaghaftem Fahren äußert. Dabei muss man sagen, dass die Großglockner-Hochalpenstraße wirklich extrem gut ausgebaut ist, keine Engstellen aufweist und an den Fahrer wirklich keine hohen Anforderungen stellt … okay, dass man ab einem gewissen Gefälle bergab einen kleinen Gang einlegt und nicht kilometerweit mit der Fußbremse arbeitet, sollte man schon einmal gehört haben 🙂
(Falls nicht stehen auch Schilder am Wegesrand, die genau das erklären)

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Kurz gesagt: Wenn man auch beim Fahren auf der tollen Straße mit ihren Serpentinen usw. etwas Spaß haben möchte, bieten sich die Stunden am frühen Abend oder gleich am Morgen an, wenn die Tagesausflügler schon wieder im Tal sind. Wir wollten ja hier oben die Nacht verbringen!

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Nachdem wir also unser Ziel, die Edelweissspitze auf 2.571 Metern, erreicht hatten, haben wir kurz unsere Zimmer bezogen und dann weiter diese hochalpine Region erkundet. Das Gasthaus auf der Edelweissspitze bietet einfache Zimmer mit Etagen-WC und -Dusche, sowie Komfortzimmer mit Dusche/WC im Zimmer als auch eine Blockhütte und ein Chalet zur Übernachtung – schaut einfach mal auf der Homepage rein: www.edelweissspitze.at – Eine Reservierung (und zwar sehr zeitig) ist unbedingt zu empfehlen, da die Zimmer fast immer ausgebucht sind!

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Wir hatten die einfachen Zimmer gebucht, da wir ja eh nur ein paar Stunden darin schlafen wollten – abends ist es einfach zu gemütlich in der urigen Gaststube und dann lockt der Sternenhimmel noch nach draussen und morgens wollten wir eh sehr früh aufstehen, um zum Sonnenaufgang bereits am Aussichtsturm zu sein – bleibt kaum mehr Zeit zu schlafen, aber das kann man dann ja Zuhause nachholen 🙂

Womit wir beim Abend bzw. der Nacht auf der Edelweissspitze wären:
Nach einem wirklich leckeren Abendessen, der einen oder anderen süffigen Halbe Bier und eventuell einem Schnapserl haben wir noch die ganz einzigartige Stimmung in der Gaststube genossen. Der Trubel des Tages ist vergessen, es sind nur noch einige Leute hier, die auch hier übernachten und ansonsten herrscht Stille. Wenn man dann später nochmal nach draussen geht, kann man bei gutem Wetter und wolkenlosem Himmel wohl den genialsten Sternenhimmel erleben, den man je gesehen hat!
Es gibt kein störendes künstliches Licht, man hört kein Geräusch, man ist auf über 2.500 Metern Höhe und man sieht so viele Sterne wie wohl als Stadtbewohner sonst nie! Die Milchstraße ist hier ganz deutlich und mit bloßem Auge zu erkennen – bis zu diesem Tag kannte ich diesen Anblick nur von Fotos!

Leider konnte ich davon 2012 keine Fotos machen, da ich keine passende Kamera dabei hatte – das wird aber sicher noch nachgeholt!
Also hier der klare Tipp: Wenn ihr eine Übernachtung dort oben plant, nehmt auf jeden Fall eine Kamera mit, welche manuelle Belichtung (Langzeit) zulässt und außerdem einen Fernauslöser und  ein ausreichend stabiles Stativ – ihr werdet es bei klarem Himmel nicht bereuen!

Am nächsten Morgen ging es dann ultrafrüh wieder aus den Federn und nach Katzenwäsche durch die Küche aus dem Hinterausgang 🙂
Unser Ziel war der Aussichtsturm auf dem Parkplatz der Edelweissspitze und wir wollten unbedingt noch vor dem Sonnenaufgang dort sein, um bereits die Lichtstimmung nach Anbruch der Morgendämmerung zu genießen.

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Im ersten Moment fällt das Aufstehen nach nur wenigen Stunden Schlaf schon etwas schwer – wir sprechen hier im September von spätestens fünf Uhr. Aber mit dem folgenden Naturschauspiel wird man mehr als entschädigt!
Wir persönlich fanden es noch spektakulärer als den eigentlichen Sonnenaufgang, die gegenüberliegenden Gipfel zu betrachten und zu sehen, wie deren Spitzen langsam in Sonnenlicht getaucht wurden …

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Auf jeden Fall ist es eine absolut einmalige Stimmung, diese Stunden vom Beginn der Morgendämmerung bis nach dem Sonnenaufgang mit nur wenigen anderen Personen an einem so ruhigen Ort in 2.571 Metern Höhe verbringen zu dürfen.

Und man muss bedenken:
Der geneigte Alpinist und Bergsteiger lächelt jetzt vielleicht und denkt, was daran einsam und ruhig sein soll – und hat damit sicherlich recht. Dieses Schauspiel an einem entlegenen Ort vor dem eigenen, kleinen Zelt sitzend zu erleben, dabei sein Wasser für den Morgentee auf dem Kocher zu haben und mit sich und der Natur im Einklang zu sein ist sicher noch eine Spur genialer – aber dieses Erlebnis hier ist dafür für alle Menschen machbar! Ob jung oder alt, fit oder untrainiert oder auch mit Handicap – jeder kann hier ein einmaliges Naturerlebnis genießen und ich kann es nur empfehlen!

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Nach diesem ergreifenden Naturschauspiel haben wir in der Hütte erstmal ein geniales Frühstück genossen. Kein Frühstücksbuffet wie im Wellness-Hotel, sondern noch das gleiche Frühstück – mit Semmeln, einem Teller mit Wurst und Käse und abgepackter Marmelade und Butter –  eben wie früher in irgendeiner Pension in Österreich im Wanderurlaub meiner Kindheit – kennt und liebt das außer mir noch jemand? 🙂

Danach haben wir uns schweren Herzens von unserer Unterkunft getrennt und uns bei bestem Cabrio-Wetter wieder auf den Weg über die Hochalpenstraße gemacht. Zur immer noch frühen Stunde war hier auch wenig Verkehr und man konnte richtig Spaß auf dieser tollen Straße haben.

Der Weg führt uns zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.
Dort haben wir die Autos abgestellt und zu Fuß ein paar Höhenmeter erklommen. Es gibt dort eine Stelle, an der frei lebende Murmeltiere anzutreffen sind. Die sind aber komplett an Menschen gewöhnt und haben wirklich jede Scheu verloren. Man kann den Tieren damit wirklich sehr nahe kommen – und sehr nahe meint auch sehr nahe! Da dies aber ja nicht das eigentliche Verhalten dieser doch sonst scheuen Tiere darstellt, sollte man sich etwas zusammen nehmen und respektvoll und zaghaft mit ihnen umgehen! Vor allem das Füttern mit irgendwelchen Süßigkeiten oder ähnlichen Dingen ist auf jeden Fall zu unterlassen!

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Nach gefühlten Stunden bei diesen tollen Tieren haben wir noch die eigentliche Kaiser-Franz-Josefs-Höhe mit ihrem Blick auf die Pasterze und den Großglockner besucht, sind hier aber bald wieder verschwunden.
Nach ruhigen Stunden in dieser hochalpinen Umgebung ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe mit Großparkhaus, Souvenirshops und Restaurants doch ein ziemlicher Kulturschock.

Wir haben dann lieber nochmal die Hochalpenstraße unter die Räder genommen, die schöne Landschaft entlang der Serpentinen bei perfektem Wetter in uns aufgesaugt und haben dann bei Ferleiten wieder Kurs in Richtung Heimat genommen.

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Fazit:

Ein Ausflug, den wir wirklich jedem empfehlen können, der etwas für Ruhe, Natur und genussvolles Autofahren oder Motorradfahren übrig hat!
Die Betonung liegt auf Genusstour – hier ist kein Heizen angesagt und die Hochalpenstraße ist keine Rennstrecke. Aufgepasst vor allem auf die Zweiräder: Sorry, Motorradfahrer – die überwiegende Mehrheit von euch verhält sich absolut korrekt und genießt ebenso die Strecke wie wir – auch gegen Überholen an übersichtlichen Stellen haben wir gar nichts -, aber ein paar wenige meinen, sie seien auf einer Rennstrecke und gefährden mit waghalsigen Überholmanövern in erster Linie sich selbst aber halt auch die anderen beteiligten Verkehrsteilnehmer. Und dann wären da noch die Fahrradfahrer … ich habe größten Respekt vor jedem, der mit reiner Muskelkraft diese Straße bezwingt und kann verstehen, dass ein gewisses, euphorisches Gefühl eintritt … aber Autos bei der Abfahrt in den Kehren außen mit dem Fahrrad zu überholen muss dann wohl doch nicht sein!

In diesem Sinne – geniesst die Tour und habt ein tolles Naturerlebnis dort oben!

Lasst uns gerne eure Erfahrungen dazu zukommen!

 

 

So sah es dort übrigens am gleichen September-Wochenende 2010 aus 🙂 :

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